Freitag, 6. Juli 2007

Mein erster richtiger Ironman


Am Sonntag, dem 01.07.2007 nahm ich an meinem ersten Ironman teil. Ein Jahr zuvor hatte ich zwar schon eine Langdistanz bestritten, aber keine, die den Namen Ironman trägt. Diese Langdistanz in Roth hatte ich 2006 sehr gut überstanden. Mein Ziel war damals nur durchkommen. Dieses Jahr steckte ich mein Ziel natürlich etwas höher: die Zeit von Roth (11:37:49) wollte ich gerne schlagen. Ich glaubte aber nicht richtig daran, dass ich es schaffen könnte.

Meine Vorbereitungen liefen insgesamt recht zufriedenstellend. Die Angst zu wenig trainiert zu haben, kam dennoch auf. Gerade die letzten Tage vor dem Wettkampf musste ich immer wieder daran denken, dass mir einige lange Einheiten fehlten. Immer wenn wir uns eine lange Radtour (RTF) vorgenommen hatten, spielte das Wetter nicht mit. Aber egal - jetzt konnte ich eh nichts mehr dran ändern.

Ich ließ den Tag kommen. Mal abwarten, was er bringen würde. Die Zeichen standen gut. Wir hatten extremes Glück mit dem Wetter. Wochen vorher war es sehr warm. Die Befürchtungen, dass ohne Neo geschwommen werden muss, wurden immer stärker. Idealerweise kühlte es in der Woche vor dem Wettkampf merklich ab. Die Wassertemperatur sank. Jetzt musste ich nur fürchten, dass mir mit nassen Klamotten auf dem Rad zu kalt werden könnte. Egal. Anziehen kann man immer noch etwas. Erstaunlicherweise war gerade der Sonntag relativ schwül bei bewölktem Himmel. Was will man mehr: Wärme ohne von der Sonne gebraten zu werden. Ideal.

So beginnt unser längster Tag des Jahres unter den besten Voraussetzungen.
Spontan sind wir in einem Hotel in Frankfurt untergekommen und lassen uns von einer Freundin an den Langener Waldsee fahren. Dort kommen wir wegen Stau zwar recht knapp an, aber die Zeit reicht gerade noch, um alles zu richten - für unnötige Gedanken und Nervosität reicht sie nicht mehr. Ich packe meinen Wechselbeutel zusammen, gebe ihn beim entsprechenden Lastwagen ab und ... ja, und suche meinen Freund Ritchy. Wir haben uns zwar schon flüchtig verabschiedet, aber ich will ihn gerne noch mal in den Arm nehmen, und ihm alles Gute für den Wettkampf wünschen. Wir werden uns ja stundenlang nicht mehr sehen. Unter den 2200 in schwarz gekleideten Neoprenfiguren kann ich ihn nirgends entdecken, obwohl ich den Weg von der Wechselzone bis zum Einstieg ins Wasser mehrmals hoch und runter laufe. Kein Ritchy. Schade. Jetzt bin ich fast die Letzte. Also beeile ich mich, ins Wasser zu kommen. Ich schwimme ein paar Züge, um mich an die kalte Nässe zu gewöhnen, die langsam in meinen Anzug fließt. Nur noch 5 Minuten. Ich reihe mich – Bernies Horrorgeschichten im Hinterkopf – ziemlich weit hinten mit etwas Platz um mich herum ein. Etwas Warten und dann fällt der Startschuss. Das Feld setzt sich in Bewegung. Ich lass einige an mir vorbei ziehen und versuche in meinen Schwimmrhythmus zu gelangen. Bis zur ersten Wende bei ca. 800 m rechne ich mit einigen „Zusammenstößen“. So ist es auch – aber nicht nur bis dahin. Immer wieder – auch auf den letzten 800 m - spüre ich mal eine Hand / Faust auf dem Arm, am Kopf, auf der Wade. Die Nasenklammer wird mir weg getreten, die Brille geflutet. Ist es Absicht oder nur Folge der Nervosität? Ich weiß es nicht. Ich bin nur froh, als ich den ersten, 3.8 km langen Part, meine schlechteste Disziplin nach 1:22 beendet habe.

Zügig aber nicht zu schnell laufe ich den mit Teppichen ausgelegten Weg zum Wechselzelt hoch, ziehe meinen Neoprenanzug aus und will schnell auf ein Dixi-Klo rennen. Von wegen schnell – weit gefehlt. Hier stehen nur vier Dixis und drei Wartende. Also muss ich mich erst mal in Geduld üben und mich hinten anstellen. Es hilft alles nichts. Hier sind wir Frauen einfach im Nachteil. Jede Rast auf der Strecke wäre sicherlich zeitaufwendiger.

Am Rad angekommen, trockne ich mir gründlich meine Zehen ab und versuch die Sandkörner zu entfernen. Ich will jetzt schon Socken anziehen und diese beim Lauf anbehalten. Eine Blase will ich mir später allerdings auch nicht zuziehen. Nach geraumen 8 min verlasse ich die Wechselzone und rolle mich gemütlich auf dem Weg nach Frankfurt ein. Schön! Endlich Rad fahren! Ich genieße die gesperrte Strecke und versuche mich auf diesen Part zu konzentrieren. Etwas trinken und essen kommt sicherlich gut. Ich zwinge mich eher dazu. Oh, da überholt mich schon ein Bekannter - Micha. Ein paar nette Worte, ich lasse ihn von dannen ziehen. Die ersten 90 min will ich betont langsam fahren und achte auf meinen Puls. Nur nicht zu schnell anfangen. Es geht nach Frankfurt rein, dann raus nach Bergen Enkheim. Endlich befinde ich mich auf bekannter Strecke. Die Route führt von Bergen Enkheim, über Maintal und Bad Nauheim (nördlichster Punkt) zurück nach Bad Vilbel. Im Training bin ich diesen Abschnitt zweimal mit meinem Freund Ritchy abgefahren. Hier kenne ich mich also ein wenig aus und weiß, mit welchen Anstiegen ich zu rechnen habe. Nur zwei sind mir nennenswert im Gedächtnis geblieben: einmal der Anstieg „The Hell“ in Maintal-Hochstadt. Hier wird man auf dem Kopfsteinpflaster ordentlich durchgeschüttelt und kann froh sein, wenn man keine Trinkflasche verliert. Die Partystimmung dort lässt die Passage bei weitem nicht so schlimm erscheinen, wie sie mir in Erinnerung geblieben ist. Die andere Steigung befindet sich in Bad Vilbel – also schon am Ende der ersten Runde. Hier auf dem „Heartbreak-Hill“ ist ebenfalls eine Menge los. Man muss aufpassen, sich nicht zu sehr von der Masse tragen zu lassen und diesen nicht gerade kurzen Anstieg langsam genug hoch zu fahren. Schließlich wartet noch eine komplette Runde auf uns. In der zweiten Runde wird es windiger. Ich bemühe mich, mich auf meinem Rad klein zu machen und freue mich, dass ich es nun richtig laufen lassen kann. Es läuft gut. Ich überhole viele, viele Leute, werde aber natürlich auch überholt. Ich erkenne einen Bekannten und grüße ihn nett, als ich an im vorbei ziehe. An der Strecke sehe ich hier und dort ein paar Freunde stehen und freue mich über ihre anfeuernden Zurufe. Die Zeit verfliegt im Nu. Nach 5:38 Std. Radzeit komme ich in der Wechselzone an. Dies entspricht genau der Zeit, die ich mir für die 180 km vorgestellt hatte.

Das Rad wird mir abgenommen, ich besuche kurz das Dixi, bekomme meinen Wechselbeutel gereicht und ziehe mich um. Etwas irritiert brauche ich lange, um meine Sachen zu sortieren. Jemand der mir beim Anreichen / Einräumen hilft ist leider nicht zur Stellen. Nach mir unglaublich lang vorkommenden 5 min gehe ich auf die Laufstrecke.

Oh, nein! Was ist das? Kopfsteinpflaster soweit das Auge reicht! Zwar schön mit roten Teppich abgedeckt und beidseitig von tausenden Zuschauern umsäumt – aber dennoch fallen mir die ersten paar hundert Meter unheimlich schwer. Auf so unebenen Untergrund bin ich sicherlich noch nie gelaufen! So kommt es mir zumindest vor. Ich bewältige diese unwegsame Passage und versuche in mein Lauftempo zu kommen. Es wird besser. Schon sehe ich ein paar Freunde und meinen Trainingspartner Tom an der Strecke stehen, Ritchies Schwester, Schwager und Eltern. Ich frage, wo Ritchy sich befindet. Ist er jetzt vor oder hinter mir auf dieser 10,5 km langen Runde, die wir viermal durchlaufen müssen? Es gibt ein paar Umkehrpunkte bei denen wir uns sehen könnten. Mir wird gesagt, er wäre vor mir. Etwas erstaunt darüber, laufe ich weiter. Ich rechne mir keine Chance aus, ihn zu sehen. Sein Vorsprung wird zu groß sein. Ich laufe und fühle mich gut. Es läuft gut - fast zu gut. Ich bin schneller, als ich geplant hatte. Plötzlich bei km 3 oder 4 muss ich Ritchy überholt haben. Er schließt zu mir auf und sagt mir, dass er nicht laufen könne. Er habe Atemnot und müsse langsam machen. Ich solle mir keine Sorgen machen und meinen Wettkampf machen. Irritiert laufe ich ein Stück weiter. Was soll ich tun? Eine Freundin, unsere Betreuerin Anke fragt, ob ich etwas brauche. „Nein nicht ich, aber kümmere dich bitte mal um Ritchy.“ - „Ich habe ihn noch nicht gesehen. Wo ist er?“ - „Da, direkt hinter mir“ Ich zeige auf ihn. Sie geht zu ihm. Das ist gut. Er würde sich jetzt vermutlich eh nicht von mir helfen lassen. Da kenn ich meinen kleinen Sturrkopf doch ein wenig. Ein paar 100 Meter weiter sehe ich einen weiteren Bekannten, Ingo. Auch ihn bitte ich, nach Richy zu sehen. Er rennt sofort los. Ich bin etwas beruhigt, zwei Freunde bei ihm zu wissen. Sie werden ihm hoffentlich beistehen. Ich versuche weiter zu laufen und nicht ständig daran zu denken. Mehr helfen als die beiden kann ich sicherlich nicht. Der führende und erste Mann überholt mich. Wer ist es? Timo?! Ich feuere ihn an und freu mich mit ihm. Damit hatte ich nicht gerechnet. Schön, es freut mich für den Eberbacher, der heute einen tollen Tag hat. Immer wieder muss ich an Ritchy denken. Was soll ich tun? Soll ich zurück laufen? Werde ich ihn finden? Ich bin mir unschlüssig. Plötzlich kommt er am nächsten Umkehrpunkt zu mir: er wäre im Sanizelt gewesen. Es wäre alles soweit in Ordnung. Er würde seinen Wettkampf durchziehen. Er müsse nur langsam machen. Das beruhigt mich ein wenig. Ich versuch mich weiter auf meinen Wettkampf zu konzentrieren. Es fällt mir nicht leicht. Zum Glück habe ich ein wenig Abwechslung. Der zweite Mann überholt mich. Schon wieder eine ganz unerwartete Person. Ich erkenne ihn nicht sofort von hinten. Es ist Michael Görner, der Newcomer dem ich gute Chancen ausgerechnet hatte. Schön für ihn. Meine erste Runde verfliegt wie im Flug. Es läuft gut, auch wenn ich zu schnell unterwegs bin. Ich fühle mich gut und laufe weiter. Bis km 15 – dann irgendwie ist der Motor aus. Es geht nicht mehr viel. Ich werde langsamer und quäle mich mit einem viel zu geringem Tempo über die Bahn. Naja, Einbruchsphasen kommen immer mal. Ich versuche sie hin zu nehmen und hoffe, dass sie schnell vorbei geht. Eine Runde quäle ich mich am Main entlang, es wird nicht besser. Auch in der nächsten Runde nicht. Okay. Ich muss es so nehmen, wie es ist und versuche zu laufen, solange es geht. Zumindest geht es noch und es erscheint mir effektiver als zu gehen. So geht es langsam weiter, Kilometer um Kilometer, Runde um Runde. Jetzt ist es nicht mehr weit. Ich bin schon beim 8. km Schild auf der vierten Runde. Also nur noch 2 + 2,195 km - also nur noch knapp viereinhalb Kilometer. Das ist doch zu schaffen!!! Aber nein, das stimmt ja gar nicht. Wir sind hier ja schon bei km 39,5. Also nur noch knapp 2,7 km. Ein Blick zur Uhr zeigt mir, dass es knapp wird, meine Zeit aus Roth zu unterbieten. Ich nehme alle Kräfte zusammen und versuche die mir verbleibende Strecke etwas schneller zu laufen. Viel ist nicht mehr drin. Nach einer Laufzeit von 4:24 Std. erreiche ich das Ziel und bin mit 11:37:53 Std. fast zeitgleich wie in Roth. Erst ein späterer Vergleich der Urkunden zeigt mir, dass ich 4 sec. (!) langsamer war, als bei meiner ersten Langdistanz.

Ich schleppe mich zur Wechselbeutelausgabe. Ich kann kaum noch gehen. Ich will aber an mein Handy und schauen, ob ich über Freunde an der Strecke mehr von Ritchy erfahren kann. Ich würde ja so gern zurück auf die Strecke und ihn anfeuern, aber bei mir geht nichts mehr. Ich habe jetzt schon einen schlimmen Muskelkater in den Oberschenkeln. Ich weiß nicht wo ich ihn suchen soll. Ich telefoniere rum. Nach unendlich langer Zeit erfahre ich, dass Ritchy auf seiner letzten Runde ist und bald im Ziel erwartet wird. Ich schleppe mich zum Zielkanal und warte mit Freunden auf ihn. Endlich kommt er. Ich kann ihn in meine Arme schließen. Ihm geht es soweit gut. Das ist das allerwichtigste. Alle Zeiten sind egal.

Dienstag, 3. Juli 2007

Wettkampfplanung für 2008

Im Jahr 2008 steht wieder ein Ironman an. Dies wird mein Hauptwettkampf sein. Alle anderen Wettkämpfe dienen nur als Aufbauwettkämpfe bzw. zur Erhaltung der Motivation.
Für den Januar habe ich mir einen (Ultra-)Marathon vorgenommen, um mein Laufpensum in der kalten Jahreszeit hoch zu halten. Bis zum Frühjahr würde ich gerne meine Laufform steigern (am liebsten mittels einer Bestzeit im Marathon), und diese dann - trotz vermehrtem Radtraining - bis zum Sommer halten.

Die folgenden Wettkämpfe habe ich bereits für 2008 geplant:

??.01.2008 - Rodgau-Ultramarathon (<= 50 km)

??.03.2008 - Bienwald-Marathon (42,2 km)

06.07.2008 - Ironman Germany (3,8 - 180 - 42,2)

Sonntag, 1. Juli 2007

1. Streak - ab Tag 150

KW 26-2007

Tag Datum Zeit Lauf-Zeit Lauf-km Puls Ø km ges. Bemerkung
150 25.06.07 23:11 00:11:11 1.8 km Hf 126 1306.3 km Mini-Standardrunde
151 26.06.07 00:11 00:15:27 2.9 km Hf 133 1309.2 km kurze Runde "um den Block", 30 Hm
152 27.06.07 19:53 01:07:12 11.7 km Hf 126 1320.9 km zum Schloss, in den Exotenwald 
153 28.06.07 20:08 00:10:43 1.8 km Hf 127 1322.7 km Mini-Standardrunde
154 29.06.07 19:37 00:31:08 5.2 km Hf 122 1327.9 km 5km-Standardrunde etwas verlängert
155 30.06.07 11:19 00:10:44 1.8 km Hf 84 1329.7 km Mini-Standardrunde
156 01.07.07 14:13 04:24:30 42.2 km Hf 132 1371.9 km Laufstrecke des Ironman Germanys



Der Ironman Germany lief ganz gut. Im Schwimmen war ich schlechter als ein Jahr zuvor in Roth, hatte dies allerdings wegen geringem Schwimmtraining erwartet. Das Radfahren lief gut. Auf der zweiten Runde bin ich schnell unterwegs gewesen, obwohl es windiger war. Mit meiner Radzeit war ich zufrieden. Nach dem ersten Einlaufen lief der Marathon anfangs so gut, dass ich die ersten 15 km viel schneller gelaufen war (Schnitt von 5:35 bis 5:45), als geplant (5:57). Ab Kilometer 15 ging dann leider nicht mehr viel, ich bin eingebrochen und konnte mich nicht mehr fangen. Diese letzten 27 km musste ich langsamer laufen (Schnitt von 6:25 bis 6:35). Das hat mich viel Zeit gekostet, so dass ich insgesamt eine ähnliche Zeit wie in Roth erreicht habe - ich war allerdings 4 sec. langsamer (zum Bericht).

Samstag, 30. Juni 2007

Mein sportlicher Werdegang

oder Wie ich zum Laufen und zum Triathlon kam

Sport war früher nicht so mein Ding. Zu lang, zu ungelenk und mit wenig räumlichem Sehen konnten mich die üblichen Sportarten der Schule wenig begeistern. Auf die Idee in einen Sportverein zu gehen, bin ich nie gekommen.

Eine gewisse Ausdauer hatte ich allerdings. Ich bin gerne mit dem Rad gefahren, habe dies jedoch nie als Sport angesehen, sondern als schönes, zeitungebundenes Fortbewegungsmittel - die beste Alternative zu den (auf dem Lande) nur spärlich fahrenden Bussen. So bin ich mit 16 Jahren mit einer Freundin eine Woche durch Frankreich gefahren (das Rad diente uns hier als günstiges Fortbewegungsmittel), und habe mir mit 18 ein Rennrad gekauft. Mit diesem war ich oft am Wochenende unterwegs bis das Studium kam.

Im Studium habe ich erstmal keinen Sport gemacht, begann später jedoch einen Tauchkurs in einem Verein (1993). Flossenschwimmen und Apnoetraining machte mir so viel Spaß, dass ich bis zu fünfmal die Woche im Wasser war. Hauptsächlich verantwortlich für diese Begeisterung war in erster Linie nicht die Bewegung, sondern der tolle Gruppenzusammenhalt. Wir unternahmen extrem viel miteinander – fast jeden Abend: Kino, Disco, Grillen, Bier trinken, Kochen, ...
Wenn die anderen im Sommer auf die Idee kamen, das (wegen geschlossener Hallenbäder) ausfallende Tauchtraining mit Laufeinheiten zu füllen, brach ich nach den ersten 500 m einfach ab. Laufen war mir viel, viel, viel zu anstrengend. Seltsam, dabei fuhr ich mittlerweile wieder regelmäßig Rad. Stundenlang, hoch und runter. Aber Laufen … das war nichts für mich. Ich probierte es immer wieder, gab dann allerdings frustiert für Monate auf. Solange, bis mein damaliger Freund (Besitzer eines schönen Schäferhund-Collie-Mischlings) sich einen Pulsmesser zum Geburtstag wünschte. Das war damals – vor ca. 12 Jahren – noch extrem ungewöhnlich. Ein Pulsmesser für einen Otto-Normal-Verbraucher. Ich kaufte ihm das billigste Model von Polar. Dieser musste natürlich beim ersten Spaziergang bzw. -lauf mit dem Hund ausprobiert werden – und schau her: auch wenn nicht ICH mit dem Pulsmesser lief, sondern er, war das Tempo auf einmal so moderat, dass ich laufen konnte. 30 min an Stück – oder waren es noch mehr? Einfach unsere normale große Hunde-Spazierrunde, die ansonsten über 1 Stunde dauerte. Es machte sogar Spaß. Seitdem lief ich häufiger (ca. dreimal die Woche) – oft in Begleitung dieses Hundes. Damals schaute man zwar noch etwas seltsam, wenn Frau durch die Gegend lief, aber mit der Zeit wurde ich selbstsicherer und gewöhnte mich daran. Ich war ja auch oft allein.

Zufällig fand ich ein / zwei Jahre später Kontakt zu Personen, die in einem Lauftreff waren. Sie erzählten mir davon. Ich war Feuer und Flamme. Da wollte ich mitlaufen, auch wenn dieser Lauftreff im Uni-Sportheft für fortgeschrittene Läufer ausgeschrieben war. Ich hatte ein Ziel und biss mich durch. Die ersten paar Male, die ich dabei war, waren super anstrengend. Ich hätte mich – als wir direkt nach dem Einlaufen endlich oben auf dem Berg waren – übergeben können. Ich hab aber nicht aufgegeben. Ich war zweimal pro Woche bei Wind und Wetter pünktlich zur Stelle und wurde immer besser. Ich konnte gut im Mittelfeld mithalten, obwohl Leute dabei waren, die den Marathon deutlich unter 3 Stunden liefen. So „extrem unverknüftig" wie unser Einlaufen waren das Training an sich. Wir wussten nie genau, was anstand. Es kam vor, dass unser Trainer nach 1:15 Laufen - die Heimat in weiter Ferne - verkündete, dass wir heute etwas länger laufen. Da wurden die normalen anderthalb Stunden einfach mal eben um 45 min verlängert. Und es ging. Ohne Getränke, ohne Riegel und ohne Temporeduzierung. Einfach so. Damals (1996 müsste es gewesen sein) lief ich auch einige Wettkämpfe mit. Einen Halbmarathon in den Niederlanden, den Aachener Winterlauf (18 km), ein paar 10er. Meine Endzeiten weiß ich leider nicht mehr. Sie würden mich selbst mittlerweile interessieren. Damals hatte ich schon erste Ambitionen, einen Maraton zu laufen. Aber ich machte zu viel, lief mit Schmerzen einfach weiter bis es wirklich nicht mehr ging => Sehnenscheidenentzündung in der Fußsohle.

Ich musste über ein halbes Jahr pausieren, bis ich diese Entzündung auskuriert hatte. Da ich mittlerweile mein Studium beendet und umgezogen war, fehlten mir die Laufgruppe und weitere Wettkampfziele. Ich lief weiterhin regelmäßig und oft aber nicht mehr so weite Strecken - meist nur zwischen 8 und 15 km. Parallel fuhr ich Rad, übte mich in einer für mich neuen Kampfkunst (Hapkido), ging in Fitnesskurse und ins Tauchtraining, begann zu klettern und fuhr mit Inlinern. Ich machte viel Sport, aber ohne große Wettkampfgedanken.

2004 - durch eine Trennung von meinem damaligen Partner verbunden mit einem Wohnungswechsel (andere Stadt), brauchte ich neue Ziele. Meinen ersten Marathon wollte ich laufen. Ich suchte mir einen nahe gelegenen Lauf heraus (= Frankfurt), studierte die Internetseite und meldete mich spontan, aber etwas verspätet zu dem angebotenen Marathonprojekt an. In 6 Monaten sollten Personen, die 1 Std. am Stück laufen können, zum Marathon hingeführt werden. Ich absolvierte die 3-4 Laufeinheiten und die Gymnastikstunden pro Woche nach Plan. Als Vorbereitung lief ich einen Halbmarathon und Ende Oktober 2004 meinen ersten Marathon in 4:22 h. Keine super Zeit, aber relativ konstant und ohne Hammermann. Es hat einfach Spaß gemacht. Sofort plante ich den nächsten Marathon (fürs Frühjahr 2005).

Ich hatte noch ein neues Ziel im Hinterkopf. Immer schon hatte mich Triathlon interessiert. Nun, mit einem gelaufenen Marathon, hatte ich ja die besten Voraussetzungen, damit anzufangen. Laufen ging irgendwie, Radfahren (auch 200 km am Stück) konnte ich eh - das hatte ich öfters ausprobiert. Nur Schwimmen war mein Problem. Mit Flossen und mit Tauchermaske ging es gut. Aber ohne ...??? Ich konnte nicht atmen und hatte keine Kraft in den Armen. Das musste anders werden. Noch im November trat ich in den ortsansässigen Triathlonverein ein und bekam nach und nach das Kraulen beigebracht.

2005 lief ich im Frühjahr meinen zweiten Marathon in Mannheim. Der Rest des Jahres war ausgefüllt mit meinem ersten Triathlontraining. Laufen, Radfahren durch den schönen Odenwald (was hatte ich bislang in meiner Nähe noch alles nicht gesehen) und schwimmen – im Hallenbad, im Freibad und auch im See. Ich absolvierte meine ersten Triathons, erst über die Sprintdistanz (0,5 km Schwimmen – 20 km Radfahren – 5 km Laufen), dann einige über die olympische Distanz (ca. 1,5 km - 40 km - 10 km) und einen Trainingswettkampf über die Mitteldistanz (2,0 km – 80 km – 20 km). Nebenbei lief ich ein paar Halbmarathons und im Herbst wieder den Marathon in Frankfurt. So konnte es bleiben: ein paar Triathlons und zwei Marathons pro Jahr.

2006 hatte ich mir wieder ein neues Ziel gesetzt. Ich wollte mich an eine Langdistanz (3,8 – 180 – 42,2) wagen. Als Ort suchte ich mir die Triathlonursprungsstadt Roth aus. Ich intensivierte mein Schwimm-, Rad- und Lauftraining und lief als Vorbereitung im Frühjahr den Marathon in Mainz. Leider zog ich mir dort eine Sehnenentzündung im Knie zu (ich bin zu Ende gelaufen / gewalkt, statt abzubrechen). Die letzten 7 Wochen vor meinem Hauptwettkampf war nichts mehr mit Laufen. Ich kompensierte diesen Trainingsausfall mit langen Radausfahrten und fühlte mich trotz großem Trainingsumfang immer gut erholt. Ab und zu probierte ich das Laufen. Es ging anfangs gut, bis plötzlich stechende, nicht auszuhaltende Schmerzen auftraten. Immer musste ich abbrechen. Anfangs schaffte ich nur 3 km, Wochen später schon 8 km und kurz vor meiner Ironman-Distanz sogar wieder 20 km am Stück. Die „Generalprobe" (mehr wollte ich mir kurz vorher nicht mehr zumuten) hatte hingehauen. Die Langdistanz absolvierte ich ohne große Zwischenfälle in insgesamt 11:37 h. Ich hatte mir das Rennen gut eingeteilt und konnte sogar den Marathon laufen, ohne eine einzige Gehpause und ohne Schmerzen (4:13 h). Ich war super stolz und froh, es geschafft zu haben. Danach schrie mein Körper nach einer Auszeit.
Ich hatte keine Lust mehr auf Training, machte relativ wenig und spürte dies bei meinem Marathon in Köln – zu dem ich schon lange gemeldet war, und den ich deshalb laufen wollte. Ab km 30 ging nichts mehr. Gehen, laufen, gehen – die Beine waren müde. Ich verlor in den letzten 12 km eine halbe Stunde. NUR eine halbe Stunde, und dennoch war es die reine Qual. Die nächsten Wettkämpfe sollten besser werden. Aber erst mal ein paar Wochen Trainigspause (= weniger machen) bis Anfang 2007.

Gerade auf der Suche, wie ich mein Laufpensum hoch halten kann, liefen mir bzw. meinem Ritchy die Streakrunners vor die Füße und wir beschlossen, mit dem Täglich laufen zu beginnen. Bis jetzt haben wir es als sehr positiv erfahren und fühlen uns stärker als je zuvor. Ein Marathon im März konnte mit Bestzeit absolviert werden. Danach trainierten wir hauptsächlich auf eine Triathlon-Langdistanz im Sommer hin.

Der Ironman Germany in Frankfurt Anfang Juli lief gut. Im Schwimmen war ich schlechter als ein Jahr zuvor in Roth, hatte dies allerdings wegen geringem Schwimmtraining erwartet. Das Radfahren lief optimal. Auf der zweiten Runde war ich schnell unterwegs, obwohl es windiger war. Mit meiner Radzeit war ich zufrieden. Nach dem ersten Einlaufen lief der Marathon anfangs so gut, dass ich die ersten 15 km viel schneller gelaufen war (Schnitt von 5:35 bis 5:45), als geplant (5:57). Ab Kilometer 15 ging dann leider nicht mehr viel, ich bin eingebrochen und konnte mich nicht mehr fangen. Die letzten 27 km musste ich langsamer laufen (Schnitt von 6:25 bis 6:35). Das hat mich viel Zeit gekostet, so dass ich insgesamt eine ähnliche Zeit wie in Roth erreicht habe - ich war allerdings 4 sec. langsamer.

Ziele für die nächsten Jahre gibt es jetzt schon.
Wenn nichts dazwischen kommt, wollten wir
2008 gerne nochmals am Ironman Germany teilnehmen und konstant durchkommen.
2009 die Tour-Transalp (Rennradtour ca 850 km und 18500 Hm in 7 Tagen) fahren.
2010 soll’s dann rrrrrrrrrrrrrund gehen, mit Rodgau Ultramarathon, Rennsteig Supermarathon und Röntgen Ultramarathon.


In der Übersicht nochmals:
6 Marathons (3:56 h bis 4:33 h)
8 Halbmarathons (1:49 h - 2:07 h)
ein paar 10er
noch keine Ultras oder Stundenläufe, aber
2 Langdistanzen / Ironmans (11:37 h)

Dienstag, 26. Juni 2007

Vereinsmeisterschaft beim Sprint-Triathlon

Am Sonntag, dem 24.06. waren wir zu einem kurzen Sprintwettkampf gemeldet. Dabei galt es 500 m zu schwimmen, flache 20 km auf dem Rad zu bewältigen und im Anschluss 5 km zu Laufen. Es handelte sich also um eine gute Gelegenheit, den Körper nochmals wach zu rütteln. Einige meiner Ironman-Mitstreiter wollten an diesem Wettkampf jedoch nicht teilnehmen, da die Belastung und / oder auch Verletzungsgefahr für unseren Hauptwettkampf, der ja eine Woche später stattfinden sollte, zu hoch sei. Da ich mich zu diesem Wettkampf mit Umwegen angemeldet hatte und hier unsere Vereinsmeisterschaften ausgetragen werden sollten, startete ich entgegen der Meinung einiger. Allerdings wollte ich mich relativ zurück halten. Das tat ich dann auch.

Das Schwimmen verlief ganz gut, war aber wegen Gedrängel mit einigen Brustschwimmpassagen durchzogen. Nach 13 Minuten kam ich aus dem Wasser und stieg aufs Rad.

Das Einrollen erwies sich schwieriger als gedacht: wir mussten gegen starken Gegenwind ankämpfen. So war mein Tempo auf den ersten paar Kilometern wesentlich geringer als geplant. Nur gegen Ende der Strecke schaffte ich es, dass eine 40++ auf dem Tacho stand. Mit einer Radzeit von 33 Minuten und einem Schnitt von knapp 36 km / h wechselte ich zum Laufen. Ich spürte leichte Schmerzen am rechten Schienbein und bemühte mich, konstant und vor allem locker zu laufen. Die Schmerzen sollten nicht stärker werden. Ich wollte mich hier nicht verletzen.
Parallel dazu bemühte ich mich, ein so hohes Tempo anzuschlagen, dass mich meine Vereinskollegin Inga, die ich erst 5 km vor der Wechselzone auf dem Rad überholt hatte, nicht mehr einholte. Jedes Mal, wenn ich überholt wurde, schaute ich zur Seite, um das Gesicht zu erkennen. Irgendwie habe ich es geschafft. Ich kam als erste von unseren vier Frauen, aber nach etlichen unserer Männer ins Ziel. Kurz darauf folgte Elke, mit der ich noch gar nicht gerechnet hatte, und Inga.

Mit unseren nah beieinander liegenden Zeiten (Marion 1:13:27, Elke 1:40:10 und Inga 1:15:02) belegten wir den ersten Platz in der Team-Wertung der Damen.


Christiane hätte hier sicherlich noch besser abgeschnitten - fiel wegen Babybauch allerdings aus.